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Der Globus

In den drei Jahren von 1490 bis 1493, in denen sich Martin Behaim wegen seiner Erbschaft in Nürnberg aufhielt, wurde unter seiner Leitung der berühmte Globus angefertigt. Er ist in der Tat die älteste erhaltene Darstellung der Erde in Kugelgestalt. Aber belegt ist, daß schon 15 Jahre vor ihm in Rom im Auftrag des Papstes Globen angefertigt wurden. Auch in religiösen Schriften wird schon seit dem 11. Jahrhundert die Erde als Apfel (= rund) bezeichnet; die Kirche lehnte nicht die Kugelgestalt der Erde ab, sondern lediglich die Existenz von Antipoden, d.h. von Menschen, die von uns aus gesehen auf dem Kopf stehend leben müßten.

Herstellung des Globus
Behaim trug seine Idee vom Globus den Ratsherren Volckamer und Holzschuhen an. Unter der Protektion von Holzschuhen übernahm der Rat der Stadt die erheblichen Kosten der Herstellung. Behaim fertigte den Globus nicht selbst, sondern gab nur die nötigen Arbeitsanweisungen an die ausführenden Handwerker.
- Ein Glockengießer fertigte zunächst eine Lehmkugel, die mit Leim getränktem
  Leinen ummantelt wurde.
- Nach dem Trocknen wurde die Kugel in zwei Hälften zerschnitten und der
  Lehmkern entfernt. An den Rand einer
  Halbkugel  wurde ein Holzreifen so befestigt, daß er zur Hälfte herausragte.
- Daran wurde mit Holzstiften die zweite Kugelhälfte befestigt.
- Auf diese Kugel wurden einige Papierschichten geleimt.
- Danach bekam die Kugel einen Überzug aus kräftigem Leder in acht
  Einzelteilen, die zusammengenäht wurden.
- Zuletzt wurde eine Papierschicht aufgeklebt.
- Diese letzte Schicht wurde dann bemalt.

Georg Glockendon, ein Zeichner und Miniaturenmaler, wurde mit der Bemalung beauftragt, wozu er mit Unterstützung seiner Frau 15 Wochen benötigte. Die Rechnungen wurden vom Rat bezahlt.

Der westliche Seeweg nach Indien und der Behaim-Globus
Die Idee einer Westfahrt lag Ende des 15. Jahrhunderts in der Luft. Auch Behaim dachte an eine Westfahrt, weit hinaus über Inseln wie die Kanaren, Madeira, die Azoren und die Kapverden.
Auch die Nürnberger Ratsherren waren an dieser Idee interessiert. Mit dem Globus sollte der mögliche wirtschaftliche Erfolg einer derartigen Fahrt nach Indien bzw. China (Cathai) den Patriziern der Stadt sichtbar gemacht werden. Die Inschriften auf dem Globus belegen diese wirtschaftlichen Motive:
"... do wachst viel mancherly Speceri, das holz Aloe, ... ist allerlei Specery and
     gewürtz do wachst moscat ..." (am Äquator bei Afrika),
"... findt man vil Edelgestains Perlein oriental..." (auf Ceylons oder
"... wachsen die Muscatt, Zimeth, Negel vast vil auch findt daselbst Wäldt von
      lauter Sandelholz und von allerlei
      Spezerei. In diesen Inseln wachsen vil Rubin. Smarackhen, Topassen und
      Saffiren, auch Perlein Qriental fast vil ..." (südlich von Indien).

Selbst nach der Entdeckung Amerikas blieb der Behaim-Globus zunächst noch gültig. Als im März 1493 Columbus von seiner ersten Entdeckungsreise zurückkehrte, war dies wenige Wochen später in Nürnberg bekannt. Die Nachricht fand aber zunächst keine besondere Aufmerksamkeit. Colum-bus` Entdeckung war für die Zeitgenossen nur eine unter vielen. Laufend kamen Nachrichten, daß neue Menschen auf neuen Inseln entdeckt wurden. Erst durch die Publikationen Amerigo Vespuccis wurde das Ausmaß dieser Entdeckungen bewußt - ein ganzer Kontinent war entdeckt worden. Der Behaim Globus ist somit die letzte Dokumentation des Bildes von der Erde vor der Entdeckung Amerikas.
Selbst nach damaligem Kenntnisstand weist der Globus nicht nur außerhalb Europas Fehler auf, sondern auch auf dem europäischen Festland. Die Richtung einiger Flüsse und der Verlauf der deutschen Küste stimmen nicht. Nur Lissabon, Paris, Rom, Venedig liegen richtig. Auch die Küste Westafrikas, die Behaim selbst befahren haben will, ist fehlerhaft dargestellt. So liegt die Kongomündung 18 Grad zu weit im Süden. Auch die Azoren, wo Behaim gelebt hat, haben einen falschen Umriß und auch der Text, hier wachse der Zucker Portugals, ist falsch, denn die Zuckerinsel Portugals war Madeira. Zum Klima macht er falsche Angaben. Er schreibt, nördlich des südlichen Wendekreises sei Sommer, wenn in Europa unter ist. Auch übernimmt er die Legende des sogenannten "Äquatorialterror", im Süden nähme die Hitze so zu, daß alles verbrennen würde, daß der Kompaß nicht mehr funktioniere und man den Jakobsstab einsetzen müsse. (Aus dieser Furcht heraus hat wohl auch Columbus nie den Äquator überquert.) Behaim weist teilweise die Quellen seiner Texte auf dem Globus aus: Plinius, Strabo, Ptolemöus und Marco Polo.
1510 bekam der Globus das heutige Metallgestell. Bis Anfang des 17. Jahrhunderts stand der Globus im Rathaus. Dann wurde er der Familie Behaim übergeben. Dort wurde er auf dem Speicher 1823 wiederentdeckt. Seit 1906 steht er als Leihgabe im Germanischen Nationalmuseum. Als ihn die Familie Behaim in die USA verkaufen wollte, wurde er 1937 von Reichskanzler Adolf Hitler und dem Nürnberger Oberbürgermeister Liebel angekauft und dem Museum endgültig übergeben.

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